Auto-Rip
André Cluytens (1905–1967) stand für Eleganz, Werktreue und Dramatik ohne Show-Attitüde. Er dirigierte als erster Franzose in Bayreuth, nahm die erste Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien mit den Berliner Philharmonikern auf und war auch in Luzern ein gern gesehener Gast. 1954 traf er auf den jungen Igor Oistrach und sorgte mit Chatschaturjans brillantem Violinkonzert und Francks d-Moll-Sinfonie für Standing Ovations. mehr
"Sus versiones [...] destacan por el equilibrio entre rigor, claridad y expresividad." (Scherzo)
Titelliste
Diesen Bonustrack erhalten Sie ausschließlich als Download!
Details
|
André Cluytens conducts Franck & Khachaturian
LUCERNE FESTIVAL Historic Performances, Vol. 22 |
|
| Artikelnummer: | 97.846 |
|---|---|
| EAN-Code: | 4022143978462 |
| Preisgruppe: | BCB |
| Veröffentlichungsdatum: | 4. September 2026 |
| Spielzeit: | 101 min. |
Zusatzmaterial
Informationen
Er ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei galt André Cluytens in den 1950er und 1960er Jahren neben den älteren Kollegen Charles Münch und Ernest Ansermet sowie dem etwas jüngeren Jean Martinon als der bedeutendste Dirigent für das französische Repertoire. Ein «Spezialist» war er dennoch nicht. Im Gegenteil: Repertoire-Vielfalt und die Neugier auf Unbekanntes waren typisch für Cluytens. 1955 dirigierte er als erster Franzose in Bayreuth (lange vor Pierre Boulez). Zwischen 1957 und 1960 kam er Herbert von Karajan zuvor, als er mit den Berliner Philharmonikern deren erste Gesamteinspielung der Beethoven-Sinfonien realisierte.
Besprechungen
Klassiek Centraal | 9 September 2026 | Werner De Smet | 9. September 2026 | Quelle: https://klassiek... André Cluytens: warum ein großer Dirigent nicht vergessen werden darf
Bereits ab den ersten Takten der Symphonie in d-Moll von César Franck (1822-1890) wird deutlich, dass André Cluytens diese Musik nicht als einMehr lesen
Besonders das Allegretto besticht durch seine leichte, fast tänzerische Eleganz. Die Holzbläser erhalten hier wunderbar dosierte Akzente, die den melodischen Linien ständig Farbe und Relief verleihen, während der warme Streichersound nirgendwo in Wohligkeit oder übertriebener Sentimentalität steckenbleibt. Was vielleicht am meisten auffällt, ist die vorbildliche Balance zwischen den verschiedenen Orchestergruppen. Keine einzige Sektion dominiert das Klangbild; alles steht im Dienste der Partitur. Die Musik scheint hinein- und herauszuzoomen: intime, kammermusikalische Gespräche zwischen wenigen Instrumenten wechseln sich mit einem breiten sinfonischen Panorama ab, in dem das Philharmonia Orchestra seinen reichen, transparenten Klang vollständig entfaltet. Gerade diese Kombination von Beweglichkeit, Transparenz und Orchestermalerei macht diese Aufführung von Franck so unwiderstehlich.
Allein diese Aufführung von Franck macht die audite-Ausgabe der Mühe wert. Aber während die letzten Akkorde noch nachklingen, stellt sich unweigerlich eine andere Frage: Wie ist es möglich, dass ein Dirigent dieses Kalibers heute fast aus unserem musikalischen Gedächtnis verschwunden ist? Wer kennt André Cluytens eigentlich noch? Sein Name taucht noch in Diskografien von Ravel, Berlioz oder Bizet auf, und Kenner wissen, dass er Anfang der sechziger Jahre mit den Berliner Philharmonikern einen der inspirierendsten Beethoven-Zyklen aufnahm – noch bevor Herbert von Karajan seinen eigenen Zyklus realisierte. Doch außerhalb dieser Liebhaberschar ist es auffallend still um einen Dirigenten geworden, der zu seiner Zeit mühelos neben Charles Münch, Ernest Ansermet und dem etwas jüngeren Jean Martinon genannt wurde.
Das begleitende Essay von Malte Lohmann wirft ein faszinierendes Licht auf den Mann hinter dieser Aufführung. Cluytens, 1905 in Antwerpen als Augustin Cluytens geboren, wuchs in einer außergewöhnlich musikalischen Familie auf, in der Dirigieren, Singen und Musizieren fast selbstverständlich waren. Später nahm er die französische Nationalität an und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Vertreter der französischen Dirigierschule. Doch er war keineswegs ein Spezialist in einem einzigen Repertoire. Er war der erste Franzose, der in Bayreuth dirigierte, und fühlte sich ebenso selbstverständlich in Wagner zu Hause wie in Ravel, Berlioz oder Tschaikowski. Diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch im Programm des Konzertabends wider, den audite auf dieser CD zum Leben erweckt.
Auch die Umstände, unter denen diese Aufnahme entstand, sind aussagekräftig. Nach einem Konflikt mit dem festen Festivalorchester wurde 1954 das junge Philharmonia Orchestra nach Luzern geholt. Cluytens teilte sich das Podium mit Furtwängler, Kubelík, Fricsay und Karajan – eine Gesellschaft, die seine internationale Reputation besser illustriert als jede Biografie. Dass bei demselben Konzertabend auch ein sehr junger Solist aus der Sowjetunion auftrat, macht diese historische Aufzeichnung umso interessanter.
Für das Violinkonzert von Aram Chatschaturjan (1903-1978) wurde der kaum dreiundzwanzigjährige Igor Oistrach engagiert, Sohn und Schüler von David Oistrach, der das Werk 1940 in Moskau uraufgeführt hatte. Mitten im Kalten Krieg war solch eine musikalische Begegnung zwischen Ost und West keineswegs selbstverständlich, doch der junge Oistrach beweist hier, dass er bereits auf eigenen Beinen stand. Sein Spiel verbindet eine fehlerlose Technik mit einer bemerkenswert natürlichen Musikalität. Besonders im warmen Andante sostenuto singt seine Violine mit einer fast vokalen Intensität. Im ersten Satz spielt er die große, technisch äußerst anspruchsvolle Kadenz seines Vaters David – üblicherweise die am meisten gespielte Version und sogar anspruchsvoller als Chatschaturjans Original – mit einer Virtuosität, die völlig eigenständig klingt, ohne jemals zur Schau gestellt zu werden. Alles bleibt vollständig im Dienste der musikalischen Aussage.
Mindestens ebenso beeindruckend ist Cluytens' Begleitung. Wo Chatschaturjans Konzert leicht in farbigen Exotismus oder bloßes virtuoses Spektakel ausarten kann, wählt er eine bemerkenswert ausgewogene Herangehensweise. Das armenische Lokalkolorit bleibt vollständig präsent, wird aber niemals zum Selbstzweck. Hinter der glänzenden Oberfläche lässt Cluytens ständig die sinfonische Struktur sprechen, wodurch das Konzert nicht nur als solistische Visitenkarte glänzt, sondern auch als eine in sich geschlossene Orchesterkomposition. Zugleich verleiht er dem Orchester eine bemerkenswerte rhythmische Spannkraft, wodurch die kantigen Tanzrhythmen und die energischen Orchestertuttis ständig ihren natürlichen Schwung behalten. Auch hier zeigt sich erneut, wie treffend Cluytens Spannung aufbaut, ohne die Musik zu übertreiben.
Klanglich überzeugt auch diese Veröffentlichung. Die Originalbänder sind nicht erhalten geblieben und für diese Veröffentlichung wurde auf eine Kopie aus dem Archiv des Institut national de l'audiovisuel zurückgegriffen. In der Praxis merkt man davon kaum etwas. Wie öfter bei audite wird hier nicht versucht, eine historische Aufnahme künstlich zu modernisieren; die Restauration respektiert ihr Alter und lässt gleichzeitig überraschend viele Details hören. Ludger Böckenhoff lässt den historischen Monoklang natürlich atmen, mit ausreichend Luft um das Orchester und einer Solovioline, die ihre Präsenz nie verliert.
Vielleicht ist das letztendlich der größte Verdienst dieser Veröffentlichung. Sie dokumentiert nicht nur einen außergewöhnlichen Konzertabend, sondern stellt auch ein musikalisches Gedächtnis wieder her, das langsam zu verblassen drohte. André Cluytens erweist sich nicht als Fußnote neben Karajan, Münch oder Ansermet, sondern als ein Dirigent mit einer ganz eigenen künstlerischen Stimme: energisch, ohne gehetzt zu klingen, transparent ohne distanziert zu werden, warm, ohne je in romantische Übertreibung zu verfallen und immer vollständig im Dienste der Musik. Sein Platz in der Musikgeschichte muss nicht neu erkämpft werden; er muss nur neu gehört werden.
www.pizzicato.lu | 03/09/2026 | Remy Franck | 3. September 2026 | Quelle: https://www.pizz... André Cluytens mit meisterhaften Interpretationen
Der große belgische Dirigent André Cluytens (1905 – 1967) ist heute quasi komplett in Vergessenheit geraten. Dabei war er zu Lebzeiten einMehr lesen
Umso erfreulicher ist nun, dass das Label audite in seiner Archivreihe der Musikfestspiele Luzern, der wir bereits manche Kostbarkeit verdanken, ein Album mit drei überaus faszinierenden Einspielungen herausbringt.
Gleich die Symphonie von César Franck wird in jeder Hinsicht überzeugend dargeboten, mit typischen Farben und sehr viel Spontaneität. Sie klingt im ersten Satz hin und wieder gefühlvoller und zugleich auch – mit direkt explosiven Passagen – kontrastreicher als bei anderen Dirigenten. Das Allegretto wird fein nuanciert und ist hinreißend charmant. Das Finale dirigiert Cluytens sehr schnell und fulminant, zugleich sehr schlank und federnd.
Zu ihm gesellt sich der damals 23-jährige Geiger Igor Oistrach, der Aram Khatchatourians Violinkonzert aufführt, ein Werk, das sein Vater und Lehrer David Oistrach 1949 uraufgeführt hatte.
Das Violinkonzert enthält so reiche Melodien, so stimmungsvolle Musik, so viele virtuose und so viele lyrischen Passagen, dass sich das Ohr daran nur erfreuen kann, zumal wenn es so hervorragend und farbbewusst gespielt wird wie hier. Igor Oistrach wird den technischen wie auch den expressiven Anforderungen in seinem warmen und leidenschaftlichen Spiel vollauf gerecht. Cluytens ist im ersten Satz rhapsodisch, im zweiten lyrisch warm und im rasant dirigierten Finale als Energiebündel dabei.
Cluytens erweist sich auch in den Bildern einer Ausstellung als ein Meisterdirigent. Die Komposition, die natürlich in der Ravel-Orchestrierung gespielt wird, ist nicht auf der physischen CD enthalten, kann aber als Bonus digital gehört werden.
Trotz des manchmal unpräzisen Orchesters gelingt es Cluytens, eine mit großer Sensibilität ausgearbeitete, musikalisch intensive Fassung der Komposition von Mussorgsky/Ravel zu präsentieren. Einerseits gibt es darin viel Poesie und Farbenwirkung, andererseits viel Spontaneität mit kraftvollen Akzentuierungen – sehr klangmalerisch und entsprechend eindringlich.
----
English translation:
Today, the great Belgian conductor André Cluytens (1905–1967) has been all but forgotten. Yet during his lifetime, he enjoyed international success as a conductor. He also played a key role in establishing the Belgian National Orchestra as an internationally renowned ensemble.
It is therefore all the more gratifying that the audite label is now releasing an album featuring three utterly fascinating recordings in its archive series of the Lucerne Music Festival to which we already owe many treasures.
César Franck’s Symphony, in particular, is presented convincingly in every respect, with characteristic timbres and a great deal of spontaneity. In the first movement, it sounds at times more emotive and, at the same time – with passages that are downright explosive – more rich in contrast than in performances by other conductors. The Allegretto is finely nuanced and utterly charming. Cluytens conducts the finale at a very fast and brilliant pace, yet it remains very lean and springy.
He is joined by the then 23-year-old violinist Igor Oistrakh, who performs Aram Khachaturian’s Violin Concerto, a work that his father and teacher, David Oistrakh, had premiered in 1949.
The Violin Concerto contains such rich melodies, such evocative music, so many virtuosic and so many lyrical passages that the ear cannot help but delight in it, especially when it is played as superbly and with such a keen sense of color as it is here. Igor Oistrach fully meets both the technical and expressive demands with his warm and passionate playing. Cluytens is rhapsodic in the first movement, lyrically warm in the second, and a bundle of energy in the fast-paced finale.
Cluytens also proves himself a master conductor in ‘Pictures at an Exhibition’. The composition, performed of course in Ravel’s orchestration, is not included on the physical CD but can be heard digitally as a bonus track.
Despite the orchestra’s occasional lack of precision, Cluytens succeeds in presenting a musically intense interpretation of the Mussorgsky/Ravel composition, crafted with great sensitivity. On the one hand, it is rich in poetry and color; on the other, it brims with spontaneity and powerful accents – highly evocative and correspondingly compelling.
www.kultur-port.de | Montag, 31. August 2026 | 31. August 2026 | Quelle: https://www.kult... Eleganz und Dramatik ohne Show-Attitüde. André Cluytens und Luzern
André Cluytens (1905–1967) stand für Eleganz, Werktreue und DramatikMehr lesen
De Gelderlander | 8 augustus 2026 | Maarten-Jan Dongelmans | 8. August 2026 | Quelle: https://www.geld... Belgisch-Franse maestro dirigeert in Luzern zonder egotripperij
Hij was de eerste Franse dirigent die meer dan een miljoen elpees verkochtMehr lesen
Scherzo | 23/07/2026 | 23. Juli 2026 | Quelle: https://scherzo.... Audite rescata dos grabaciones inéditas de André Cluytens realizadas en el Festival de Lucerna
Sus versiones, caracterizadas por una notable amplitud estilística, destacan por el equilibrio entre rigor, claridad y expresividad.Mehr lesen
